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Einführung - Das räumliche Sehen

Die historische Entwicklung

Die bekannteste Person in Verbindung mit der Holographie ist wohl der Physiker Dennis Gabor als "Erfinder" der Holographie. Doch seine Entdeckung im Jahre 1948, die den Höhepunkt einer langen Entwicklung darstellte, sollte nicht dazu dienen, Objekte dreidimensional abzubilden, sondern das Auflösungsvermögen von Mikroskopen zu verbessern.
Erfinder der Holographie: Dennis GaborBereits 1920 wollte ein Physiker namens Wolfke die mikroskopische Abbildung in zwei Stufen unterteilen, indem man zuerst ein Zwischenbild mit Strahlen kurzer Wellenlänge (z.B. Röntgenstrahlen) erzeugt. Inder zweiten Stufe sollte man das Zwischenbild mit normalem Licht betrachten können. Doch scheiterte diese Realisierung damals an experimentellen Schwierigkeiten.
Erst Dennis Gabor konnte 28 Jahre später mit einem Modellversuch zur Realisierung des zweistufigen Abbildungsverfahrens unbewusst den Grundstein zur Holographie legen.
Sein besonderer Verdienst bestand darin gezeigt zu haben, wie die Information über die Phasen des Zwischenbilds durch Überlagerung der vom Objekt ausgehenden Welle und einer Referenzwelle auf direktem Weg gewonnen und photographisch festgehalten werden konnte.
Gabor unternahm den Versuch, das Hologramm eines kleinen 2mm² großen Dias aufzunehmen. Darauf standen die Namen dreier Physiker: Huygens, Young und Fresnel. Allerdings waren seine damaligen Möglichkeiten sehr beschränkt. So musste er beispielsweise eine Quecksilberdampflampe als Lichtquelle benutzen. Dafür musste er jedoch mit Hilfe eines Farbfilters und einer Lochblende arbeiten, um die räumliche Kohärenz zu steigern, was wiederum einen enormen Intensitätsverlust zur Folge hatte.
Seinen Aufnahme-Aufbau bezeichnet man als "In-line-Methode", da sämtliche Elemente in einer Reihe aufgebaut werden.Dennis Gabor
Leider war das Ergebnis weniger befriedigend, da die drei Namen des Originals nur noch schlecht zu erkennen waren, und das Hologramm durch viele dunkle Flecken gestört wurde. Was ihn aber überraschte war das Zustandekommen eines zweiten Bildes, das sich störend auf die Betrachtung auswirkte, da es sich mit dem eigentlichen Bild überlagerte. Dieses zweite Bild wird auch pseudoskopisches oder reelles Bild genannt, da es alle konkaven Wölbungen des Objekts konvex wiedergibt und umgekehrt alle konvexen Wölbungen konkav.
Nach der Veröffentlichung seiner Forschungsarbeit in den Jahren 1949 und 1951 kehrte er allerdings diesem Gebiet der Forschung enttäuscht den Rücken, da er selbst mit seinen Ergebnissen nicht zufrieden war.Emmett Leith und Juris Upatnieks
Erst einige Jahre später erfuhr er überraschend, dass es den beiden Amerikanischen Wissenschaftlern Emmett Leith und Juris Upatnieks gelungen war, gute dreidimensionale Abbildungen von Objekten zu erzeugen, deren Herstellung größtenteils auf Gabors theoretischen Grundlagen beruhte. Um das Problem des doppelten Bildes zu vermeiden, führten sie das Zwei-Strahl-Verfahren ein. Nun konnte man das virtuelle Bild hinter der Filmebene getrennt vom reellen Bild vor der Filmebene betrachten. Dies war 1959. Als dann 1960 der erste Laser von Theodore H. Maiman erfunden wurde (ein Rubinkristallaser) und zwei Jahre später der He-Ne-Laser, begann die Renaissance der Holographie. 1963 wurden von E. Leith und J. Upatnjeks erfolgreich holographische Versuche durchgeführt.
Schlagartig kam die Erfindung Gabors, für die zuvor keine Zukunft gesehen wurde, zu neuem Ansehen und zog die Interessen vor allem in den sechziger und siebziger Jahren auf sich.
Dennis Gabor bei der Nobelpreisverleihung1971 wurde Gabor für seine Entdeckungen mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet, 23 Jahre nach der Erfindung der Holographie. Und auch wenn Gabor selbst an einen Freund schrieb er schäme sich fast, für eine so einfache Erfindung den Nobelpreis zu erhalten, ist das theoretische Prinzip doch ungewöhnlich und genial. In den Anwendungen der Forschung einerseits und auf dem Gebiet der Unterhaltung andererseits stellt die Holographie auf jeden Fall eine große Bereicherung dar.


Einige Fakten zu Dennis Gabor

geboren: 5. Juni 1900 in Budapest

Forschender Ingenieur der Familie Siemens und Halske in Berlin ab 1927

1933 vor den Nazis geflohen

Danach Tätigkeit in England für Fa. Thomson-Houston

1947 entwickelte er das Prinzip der Holographie, das er ursprünglich mit der Intention ersann, das Auflösungsvermögen von Elektronenmikroskopen zu verbessern.

Zunächst war er auf die Verwendung gefilterter Lichtquellen angewiesen und arbeitete mit dem Prinzip der sog. In-line-Holographie.

1949 Eintritt in das Imperial College of Science and Technology, London
Wurde dort 1958 Professor of Applied Electron Physics (angewandte Elektronenphysik)

1960 Erfindung des Lasers durch Theodore Maiman

1962 Verbesserung der Aufnahmetechniken durch Emmeth Leith und Juris Upatnieks (Teilung der Aufnahmeanordnung in getrennten Objekt - und Referenzstrahl )

1962 Erfindung der Weißlichtholographie durch Uri N. Denisyuk

1967 Das erste Hologramm einer Person entsteht.

1968 Stephen A. Benton erfindet die Regenbogen-Transmissionsholographie.

1971 Verleihung des Nobelpreises für Physik an Gabor für die Erfindung der Holographie.

Er verstarb am 8. Februar 1979 in London. Er war Inhaber von über 100 Patenten.
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© Matthias Firnkes, März 2001