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Ein Großteil der
Informationen über unsere Umwelt gelangt zu uns in Form von
visuellen Empfindungen. Die Rolle des Informationsträgers wird
von Wellen eines ganz bestimmten Frequenzbereiches des elektromagnetischen
Spektrums übernommen. Diese Wellen rufen in unserem Sinnesorgan
Auge eine Empfindung hervor, die wir im alltäglichen Sprachgebrauch
als Licht bezeichnen. Fällt Licht auf einen Gegenstand und gelangt
ein Teil der von ihm reflektierten oder gestreuten Wellen in
unser Auge, so sprechen wir davon, dass wir diesen Gegenstand
sehen. In Verbindung mit unserer Erfahrung sind wir nun in der
Lage, bestimmte Aussagen über seine Beschaffenheit zu machen.
Das Auge als optisches System mit veränderlicher Brennweite
und lichtempfindlicher Brennfläche übernimmt dabei sowohl die
Abbildung als auch die Registrierung der empfangenen Information.
Lichtwellen, die durch die Pupille gelangen, werden von der
Linse gebrochen und erzeugen auf der Netzhaut ein Bild des betrachteten
Gegenstandes. Im Unterschied zum Gegenstand selbst, der bekanntlich
3 Dimensionen aufweist, ist das Bild auf der Netzhaut lediglich
zweidimensional. Die Ursache hierfür liegt in den physikalischen
Eigenschaften der Empfängerfläche begründet. Danach ist die
Netzhaut wie jeder andere quadratische Empfänger nur in der
Lage, auf Helligkeits- und Farbunterschiede zu reagieren. Der
Abbildungsvorgang führt also zum Verlust der im Wellenfeld enthaltenen
räumlichen Information und damit zu einer zweidimensionalen
Ersatzdarstellung des dreidimensionalen Körpers.
Erst
durch die anschließenden physiologischen Prozesse im Gehirn
verschmelzen die ebenen Verteilungen auf der Netzhaut beider
Augen zu einem räumlichen Gesamteindruck.Zur Empfindung der
Tiefe des Raumes trägt vor allem der Effekt der Parallaxe bei,
wonach sich bei einer Bewegung des Auges nahestehende Objekte
relativ zu entfernteren scheinbar bewegen. Da beide Augen in
einer gewissen Entfernung voneinander angeordnet sind, sieht
jedes ein etwas anderes Bild der gleichen räumlichen Szene.
Die gedachten Geraden, entlang derer unsere Augen auf einen
Gegenstand blicken, schneiden sich unter einem Winkel, der als
stereoskopische Parallaxe bezeichnet wird. Je näher wir dem
Gegenstand sind, um so größer ist dieser Winkel und folglich
auch der räumliche Eindruck, da auf den Netzhäuten des rechten
und linken Auges zunehmend unterschiedliche Bilder entstehen.
Die Scharfeinstellung des Auges auf verschieden weit entfernte
Punkte (Akkomodation) erfolgt über eine Veränderung der Brennweite
der Augenlinse durch Betätigung des Ziliarmuskels. Das wird
von uns ebenfalls als ein Maß für die Tiefe des Raumes empfunden.
Bei der Betrachtung einer gewöhnlichen zweidimensionalen Photografie
des Gegenstandes vermissen wir diesen Effekt. Unabhängig von
der Lage des Kopfes sehen wir stets dasselbe Bild - die Parallaxe
fehlt vollständig.
Aus welcher Richtung wir eine Photografie auch betrachten, wir
können nicht erkennen, was sich z.B. hinter einem im Vordergrund
stehenden Objekt befindet. Darüber hinaus erfordert die Abtastung
des Bildes mit dem Auge keine Änderung der Akkomodation. Das
Bild sieht flächenhaft aus, es fehlt die Raumhaftigkeit, der
"Effekt des Dabeiseins" verschwindet.
Besonders augenfällig sind diese Erscheinungen, wenn wir ein
zweidimensionales Foto von der Seite betrachten (z.B. im Kino
von einem Seitenplatz der ersten Reihe aus). Die Längs- und
Quermaße werden merklich verzerrt, womit das Flächenhafte der
Aufnahme noch stärker hervorgehoben wird. Die Ursache hierfür
ist in den begrenzten Abbildungsmöglichkeiten der Photografie
zu sehen. Durch die Projektion des Objektes in die Ebene der
Photografie wird lediglich eine zweidimensionale Helligkeitsverteilung
registriert. In der Geschichte der Wissenschaft und insbesondere
der Photografie hat es nicht an Bemühungen gefehlt, diesen Mangel
zu beseitigen. Die Erkenntnis, dass der räumliche Eindruck beim
Sehen erst durch das Zusammenspiel beider Augen hervorgerufen
wird, führte zur Entwicklung von Verfahren, in deren Ergebnis
der Beobachter beim Betrachten eines flächenhaften Bildes einen
scheinbar stereoskopischen Eindruck erhält. Ausgenutzt wird
hier der bereits erwähnte Effekt der stereoskopischen Parallaxe.
In der sog. Stereophotographie werden zwei Bilder desselben
Gegenstandes separat aufgezeichnet, wobei die jeweiligen Aufnahmeorte
der Lage des einen oder anderen Auges entsprechen. Beim Betrachten
einer solchen Stereophotografie werden dem Beobachter gleichzeitig
beide Aufnahmen angeboten, jedes Auge sieht jedoch nur das ihm
zugeordnete Bild. Zur Trennung der beiden Bilder bedient man
sich verschiedenster Verfahren, von denen der Zweifarbendruck
den meisten Lesern sicher schon aus Kinderzeitschriften bekannt
ist. Hier erhält man ein Bild, auf dem sich dieselbe Szene gleich
zweimal, jedoch leicht verschoben und verschieden gefärbt, befindet.
Wird nun dieses etwas verwirrende Bild mit einer eigens dafür
konstruierten Brille betrachtet, in der anstelle der Gläser
zwei entsprechend gefärbte Folien eingesetzt sind, so betrachtet
jedes Auge nur das ihm zugedachte Teilbild, und es entsteht
ein gewisser räumlicher Eindruck.
Einfacher aufgebaut sind Stereobetrachter, wo jedem Auge unmittelbar
nur ein Bild angeboten wird. Das eindrucksvollste Stereoerlebnis
gewinnt der Betrachter jedoch im Kino, wo hin und wieder ein
Film gezeigt wird, bei dem die Verschlüsselung zweier Teilbilder
mittels polarisationsoptischer Effekte geschieht. Betrachtet
man einen solchen Film ohne spezielle Hilfsmittel, so gewinnt
man den Eindruck, dass der Kameramann eine recht unruhige Hand
gehabt haben muss. Erst die an der Kasse empfangene Spezialbrille
gestattet es jedem Auge, mittels zweier Polarisationsfilter
das ihm zugeordnete Bild zu betrachten.
Andere Möglichkeiten der Schaffung von Stereoeindrücken begegnen
uns heute auf Ansichtskarten, Briefmarken und in Bilderbüchern.
Fährt man mit dem Fingernagel über die Oberfläche der Folie,
bemerkt man deren leicht gerillte Struktur, die auf ein Raster
von aufgeprägten Zylinderlinsen oder Prismen zurückzuführen
ist. Damit nun jedes Auge nur eine Teilkomponente des Stereobildes
empfängt, sind beide Flächenbilder zuvor in vertikale Streifen
eingeteilt und diese abwechselnd nebeneinander auf ein Trägermaterial
aufgebracht worden. Die Zylinderlinsen oder Prismen sind über
den Streifenpaaren so angeordnet, dass beim Betrachten des Bildes
ein Auge über eine Kante nur die zu einem Teilbild gehörenden
Streifen sieht und das andere Auge über die gegenüberliegende
Kante die dem zweiten Teilbild entsprechenden Streifen beobachtet.
Allen genannten Verfahren ist jedoch gemeinsam, dass die räumliche
Wahrnehmung auf die Bedingungen bei der Aufnahme beider Teilbilder
beschränkt bleibt. Änderungen der Blickrichtung schaffen keine
neuen Eindrücke, so dass alle Stereobilder im Grunde genommen
nur Ersatzlösungen verkörpern. Erst ein prinzipiell anderes
Aufzeichnungsverfahren, wie es die Holographie darstellt, kann
hier zu einer echten Verbesserung führen. |
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